Risikofaktoren und Risikokennzahlen von Investments

Liebe Leser,

ich möchte heute über Risikofaktoren und Risikokennzahlen, insbesondere bei Aktienfonds, berichten. Viele dieser Risikofaktoren lassen sich aber auch auf andere Investments übertragen. Zunächst möchte ich die Risiken grob in zwei Bereiche einteilen: allgemeine Risikofaktoren und Risikokennzahlen.

Beginnen wir mit den allgemeinen Risikofaktoren. Diese Faktoren sollte man immer im Hinterkopf haben, sie lassen sich in der Regel jedoch nicht konkret in Zahlen ausdrücken

  • Allgemeiner Konjunkturzyklus: Typischerweise befindet sich eine Wirtschaft in einer der vier Phasen Aufschwung, Boom, Rezession oder Depression. Jede dieser Phasen dauert einige Jahre und sie alle wirken sich auf die Kursentwicklung aus.
  • Währungsrisiko: Ist ein Aktienfonds z.B. in US-Dollar, Schweizer Franken oder Englischen Pfund notiert, so ist der Wechselkurs zwischen dem Euro und der jeweiligen Währung ein Risikofaktor. Eine Anlage kann dabei durch Schwankungen der Wechselkurse sowohl steigen, als auch fallen. Über diesen Risikofaktor sollten sich Anleger immer bewusst sein, wenn sie Produkte einer anderen Währung als Euro kaufen.
  • Politisches Risiko: Eng verwandt mit dem Währungsrisiko ist das politische Risiko. Insbesondere in unsicheren Ländern droht durch direkte Faktoren wie Enteignung oder Verstaatlichung und indirekte- wie das Nichtbegleichen von Staatsschulden oder der aktiven Beeinflussung von Wechselkursen ein nicht unerhebliches Risiko.
  • Ausfallrisiko: Prinzipiell besteht bei Aktienfonds oder ETFs auch die Möglichkeit, dass die Muttergesellschaft insolvent wird. Jedoch gibt es für in Deutschland offiziell gehandelte Produkte strenge Vorschriften zur Einlagensicherung, auf deren Einhaltung die BaFin penibel achtet. So müssen die Einlagen der Anleger getrennt von dem Firmenvermögen gehalten werden und sind so auf bei Insolvenz geschützt.

Neben den obigen Faktoren lassen sich für viele (Aktien)fonds, ETF’S, Einzelaktien und viele weitere Proodukte auch konkrete Zahlen berechnen, sogenannte Risikokennzahlen. Mit Hilfe dieser Kennzahlen lassen sich verschiedene Titel objektiv vergleichen. Trotzdem bitte ich um Vorsicht, denn eine niedrige Risikokennzahl ist keine Garantie für ein sicheres Investment. Auf die genaue Berechnung der einzelnen Kennzahlen werde ich in zukünftigen Beiträgen eingehen.

  • Volatilität: Die Volatilität misst, wie stark ein Produkt um seinen durchschnittlichen Wert schwankt. Genauer wird die Standardabweichung, also die durchschnittliche quadratische Abweichung vom Mittelwert, berechnet. Diese Größe bezieht sich immer auf einen bestimmten Zeitraum. Kritisch zu sehen ist, dass die Volatilität steigende und fallende Kurse gleichermaßen bestraft.
  • Maximum Drawdown: Dieser Risikofaktor basiert auf historischen Kursdaten und gibt den maximalen Verlust wieder, den ein Anleger mit seiner Anlage hätte haben können. Heraus kommt ein maximal möglicher Verlust in Prozent. Auch hier ist Vorsicht geboten, denn zum Einen werden für die Berechnung manchmal nur Daten den letzten X Jahren genutzt und zum anderen sagt ein bestimmter maximaler Verlust in der Vergangenheit nichts über einen möglichen zukünftigen Verlust aus.
  • Value at Risk: Das „Wert im Risiko“-Maß nutzt historische Daten, um eine Wahrscheinlichkeit anzugeben mit der ein bestimmter maximaler Verlust eintreten wird. Ein Value at Risk besteht immer aus einem Betrag, einem Zeitraum und einer Wahrscheinlichkeit. Wird für eine Anlage X ein Betrag von 100€ über 10 Tage bei 99% angegeben, so wird der Verlust für die nächsten 10 Tage mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% den Betrag von 100€ nicht überschreiten (immer in Bezug auf historische Daten).
  • Sharpe-Ratio: Ebenfalls auf historischen Daten basiert diese Kennzahl. Sie vergleicht die Rendite eines Produktes mit einem sicheren Investment und gibt dann die erzielte zusätzliche Rendite im Verhältnis zum Risiko wieder. Je höher der Wert, desto besser ist das Verhältnis von Rendite zu Risiko.
  • Alpha: Im Vergleich zum Sharpe-Ratio vergleicht der Alpha-Faktor ein Anlageprodukt mit einem möglichst ähnlichen Vergleichsindex oder anderen Investment. Der Alpha-Wert gibt dann an, ob eine zusätzliche Rendite erzielt wurde (Alpha > 0). Trotzdem sollte man sich immer informieren, welcher Titel oder Index als Vergleich herangezogen wurde, denn sonst bietet dieser Wert keinen hilfreichen Vergleich.
  • Beta:  Diese Kennzahl vergleicht ein Produkt mit einem zugrunde liegenden Index. Ein Wert über 1 heißt, dass die Anlange stärker schwankt als der Durchschnitt und bei einem Wert kleiner 1 weniger stark. Ein negativer Beta-Wert bedeutet, dass sich der Titel invers zum Index verhält.

Ich hoffe, ihr habt damit einen kleinen Überblick über mögliche Risikofaktoren und Risikokennzahlen bekommen. Über Kommentare und Ergänzungen freue ich mich sehr!

Alles Gute weiterhin,

Hendrik