Performance- und Preisindices

Liebe Leser,

heute möchte ich über das Thema Performance- und Preisindizes schreiben, welches eng mit dem Thema Dividenden verknüpft ist. Die Unterscheidung von beiden Typen ist aus meiner Sicht, insbesondere für ETF-Anleger, von großer Bedeutung.

Leiten wir das Thema mit dem Begriff Dividende ein. Diese ist ja, wie wir in einem früheren Beitrag gelernt haben (siehe Dividendenaristokraten), die Zahlung eines Unternehmens an seine Aktieninhaber. Ich habe mich mal gefragt: Wenn ein ETF einen bestimmten Aktienindex abbildet, was passiert eigentlich mit den Dividenden, welche der ETF durch den Besitz seiner Aktien erhält. Das Antwort ist: Kommt drauf an. Eine gute Nachricht zuerst: Die Dividenden verschwinden natürlich nicht. Vielmehr kommt es auf den Typ des Fonds an. Es gibt nämlich ausschüttende und thesauriedende Fonds. Bei ausschüttenden Fonds werden Dividenden und Zinsen an die Inhaber der Fonds ausgezahlt. Das passiert oft quartalsweise, manchmal auch halbjährlich oder jährlich. Sogenannte thesaurierende Fonds nehmen die Dividenden und Zinsen und kaufen dafür direkt wieder neue Anteile des Unternehmens. Die Zahlungen bleiben somit direkt im Fonds enthalten. Dadurch erhöht sich der Wert des Fonds um ebendiesen Betrag. Das sorgt nebenbei über die Zeit für einen nicht unerheblichen Zinseszins-Effekt.

Diese Unterscheidung führt uns nun zu Performance- und Preisindices. Ein Preisindex bildet neutral die Kursentwicklung eines Unternehmens, einer Anleihe etc. ab und berücksichtigt dabei weder Dividenden noch Zinsen. Der Performanceindex hingegen steigt bei Einkünften automatisch um diesen Betrag.

Beispiele: Der Deutsche Aktienindex DAX bildet die Wertentwicklung von 30 deutschen Unternehmen ab und ist ein Performanceindex. Der Amerikanische Dow Jones hingegen, welcher die 30 größten amerikanischen Unternehmen abbildet, ist ein Preisindex. Wird in den Medien über die Wertentwicklung berichtet, so werden hier eigentlich Äpfel mit Birnen verglichen und es ist Vorsicht geboten. In der Regel gibt es für jeden Index beide Varianten (also auch den DAX ohne Berücksichtigung von Dividenden und auch den Dow Jones mit Berücksichtigung von Dividenden), die bekannten Varianten unterscheiden sich aber.

Ich verwende in meinen Musterdepots gern ETFs auf den MSCI World Index. Diese sind bei mir sind in der Regel thesaurierend. Abgebildet wird dann genauer der MSCI World Total Return Index. Dabei deutet der Begriff Total Return darauf hin, dass es ein Performanceindex ist. Es gibt aber eben auch ETF auf den entsprechenden Preisindex. Generell lässt sich sagen, dass ausschüttende ETFs den Preisindex und thesaurierende ETFs den Performanceindex abbilden.

Auch dieser Beitrag soll nicht ohne ein Diagramm auskommen. Um den immensen Unterschied zwischen Kurs- und Preisindex zu verdeutlichen ist hier noch einmal der Kursverlauf des MSCI World Performance Index (blau) und des MSCI World Preisindex (rot) ab dem 01.01.2010 dargestellt:

Der Kursunterschied beläuft sich über die Jahre auf etwa 35%. Nicht zu vergessen ist jedoch, dass der Anleger in den ausschüttenden Fonds regelmäßige Zahlungen erhalten hat, die nun zu seiner freien Verfügung steht.

Fazit: Lest ihr in Zukunft einen Vergleich zwischen der Kursentwicklung z.B. von Aktienfonds oder bekannten Indices, so denkt immer genau darüber nach ob auch wirkich zwei äquivalente Produkte miteinander verglichen werden.

 

Alles Gute weiterhin,

Hendrik

Früher war alles besser

Liebe Leser,

die heutigen Sparer haben es schwer. Die Inflationsrate, also die durchschnittliche Teuerung, lag im Januar 2017 bei 1.9%, nach 1.7% im Dezember 2016. Die durchschnittliche Verzinsung, z.B. auf Tagesgeldkonten, liegt hingegen nur gerade noch über null. Ich habe einmal die jährlichen Inflationsraten und dagegen die durchschnittliche Verzinsung auf Tagesgeldkonten aus den Daten der Bundesbank herausgesucht und in einer Grafik dargestellt:


Im Grunde liegt also seit mindestens 2003, mit der Ausnahme von 2009, die Inflation über dem Durchschnittszins. Ganz besonders groß war die Differenz in 2011, nämlich bei etwa 1.5%. Sollte der aktuelle Trend sind fortsetzen, so wird es in diesem Jahr noch extremer. Jeder Sparer, der sein Geld auf einem Tagesgeldkonto parkt macht also de facto Verlust in Höhe der Differenz von Inflation und Tagesgeldzinssatz. Die Konsequenz ist ernüchternd, denn Spar- und Tagesgeldkonten gehören zu den quasi risikofreien Anlagemöglichkeiten.

Die klassischen Geldanlagen in der Generation meiner Eltern – das Sparkonto und der Bausparvertrag – sind heute reine Verlustgeschäfte. Früher bekam man auf dem Sparkonto 4 oder teils sogar 5 Prozent Zinsen, das war sogar noch in den 90er Jahren so. Heute sind es auf meinem Tagesgeldkonto noch 0.05%. Viele Menschen halten, aber teils aus Unwissenheit, teils aus Unsicherheit oder Angst, immer noch an diesen Konzepten zur Geldanlage fest. Doch die Zeit, in der sich das Geld auf Tagesgeld- und Sparkonten munter vermehrt, ist leider vorbei. Meiner Meinung nach kommt sie auch nicht wieder, denn ich habe ehrliche Zweifel, dass der Leitzins nochmal deutlich über 2 Prozent steigt.

Fazit: Ohne Risiko ist leider keine Rendite mehr möglich. Selbst Werterhaltung des Geldes funktioniert nicht ohne ein gewisses Risiko.

Was mache ich: Man sollte immer einen gewissen Notgroschen zur Hand haben. Ich halte daher auf einem Tagesgeldkonto circa zwei Monatsgehälter vor. Darüber hinaus lege ich mein Geld in gemischten und breit gestreuten ETFs an. Ein Teil der Anlage liegt in einem ETF auf europäische Staatsanleihen und dient als sicherer wenig schwankender Anteil. Der andere Teil meiner Anlage steckt in einem ETF auf den MSCI World und damit in mehr als 1600 Unternehmen weltweit. Dieser Teil der Geldanlage sorgt langfristig für die Rendite, schwankt aber mitunter sehr starkt. Durch die breite Streuung wird das Risiko gemindert. In meinen Musterdepots stelle ich Einmalanlagen und Sparpläne vor. Zusätzlich möchte auf auf meine Artikel zu ETF Musterdepot und zu ETF-Sparplan hinweisen.

 

Alles Gute weiterhin,

Hendrik

Dispokredit – Zinsberechnung

Liebe Leser,

heute geht es um den Dispokredit. Bei vielen von euch hatte der Kontostand auf dem Girokonto sicher schon mal ein Minus davor. Manchmal muss vielleicht die Miete etwas früher gezahlt werden, als das Gehalt für den nächsten Monat reinkommt oder mitten im Monat kommt eine unerwartete Abbuchung. Nun ist die Hausbank in der Regel großzügig und gewährt diese Überziehung problemlos. Man nennt dies „Dispokredit“ oder „geduldete Kontoüberziehung“.

Ich habe mich gestern gefragt: was kostet der Spaß eigentlich? Ein Blick auf meine Kontoinformationen sagt „SollzinssatzZinssatz p. a. 10,404 %„. Soll heißen, dass es mich 10,40€ kostet wenn ich das ganze Jahr über mit 100€ im Minus bin. Das ist aber fern der Praxis, denn (zumindest) ich bin nur dann und wann mal ein paar Tage im Minus. Konstruieren wir uns mal einen Beispielmonat:

Beispiel:

Tag 1 – 3: Kontostand 1000€

Tag 4 – 17: Kontostand 500€

Tag 18 – 27: Kontostand 200€

Tag 28 – 30: Kontostand -1000€

Ich bin also 3 Tage im Monat im Minus, aber die restlichen im Plus. Der durchschnittliche Guthabenstand liegt sogar bei +300€. Ginge man danach, so müsste ich gar nichts zahlen. Leider rechnen Banken die Dispozinsen taggenau ab. Das heißt, ich zahle für jeden Tag 1/360 * 10,404% an Zinsen. Das macht für Tag 28 – 30 jeweils etwa 0,29€ (1/360 * 0,10404*1000€) an Zinskosten. Da der Guthabenzins bei 0% liegt, bekomme ich für alle anderen Tage nichts.

In der Summe zahle ich also circa 0,87€ an Zinsen, obwohl ich im Beispielmonat nur drei Tage im Minus bin und eigentlich ja sogar einen positiven Gesamtdurchschnitt habe. Für die Bank ist das sicher eine gute Einnahmequelle.

Mein Tipp: Nutzt euren Dispokredit lieber nicht, denn schon kurze Überziehungen sind teuer. Ich werde zukünftig versuchen negative Kontostände sofort auszugleichen, indem ich direkt Geld von meinem Tagesgeldkonto transferiere.

Nachrechnen: Wer selbst nachrechnen möchte findet hier meine Excelltabelle

Weitere Informationen: Hier noch ein Artikel zur deutschen Zinsberechnungsmethode bei Wikipedia, denn bei der Zinsberechnung geht man von 360 Tagen im Jahr aus: Zinsberechnungsmethode

 

Alles Gute weiterhin,

Hendrik